Freitag, 23. April 2010

Gutenachtgeschichte

Es waren ein Mal vier Freunde. Nicht fünf, wir sind hier nicht bei Enid Blyton. Diese vier Freunde, Nerd, Mom, Doc und Vampirella, machten sich eines schönen, sonnigen Tages auf den Weg in ein idyllisches Dorf in Norwegen. Sie wollten dort zusammen Urlaub machen. Den Fjord und die Natur genießen, die hauseigene Sauna nutzen und entspannen. Nerd wollte außerdem unbedingt die Vögel in der Gegend beobachten.
Deshalb machte er sich am zweiten Tag frühzeitig auf den Weg zu einer nahgelegenen Insel, während die Mädels, Mom, Doc und Vampirella noch tief und fest schliefen. Es war eine lange Nacht und niemand außer Nerd dachte daran so früh aufzustehen.
Er machte sich also alleine auf den Weg. Er nahm den Bus zur Insel und unterhielt sich derweil gut mit dem freundlichen Busfahrer. Dieser warnte ihn nicht vom rechten Weg abzukommen und sich auf den Pfaden zu halten. Nerd dankte dem netten Mann, verließ den Bus und wandte sich gen Norden. Später sollte er sich nicht erinnern können, ob er willentlich beschloss den rechten Pfad zu verlassen, oder ob ihn seine Füße einfach immer weiter trugen. Vielleicht folgte er auch schlicht dem Seeadler immer tiefer hinein in den Berg.
Erst über Wiesen an traumhaften Buchten entlang, dann über riesige Steine und schließlich über immer nasseres, verschneites Moos und eisiges Gras- immer höher hinauf. Etwa dort musste es gewesen sein, dass er den Halt verlor.



Zum Glück aller fiel er nicht tief, fing sich jedoch in einer Position aus der es kein Vor- oder Zurück gab. In seiner Not suchte Nerd Hilfe bei den zurückgelassenen Gefährten. Diese jedoch schliefen während seiner Pein noch wonniglich. Und nachdem kitzelnde Sonnenstrahlen und der Feueralarm sie endlich aus den Federn lzu locken vermochten, ward der Hilferuf noch immer ungehört. Dies sollte er auch für die nächsten Stunden bleiben. Das sonst ständig bei sich getragene Kommunikationsutensil lag unbeachtet im Zimmer von Mom und Doc.
Als das Frühstück verzehrt, Muscheln gesammelt und der Strand ausreichend betänzelnd war, beschlossen die drei verbliebenen Freunde es sei an der Zeit zu Nerd aufzuschließen. Die Vorbereitungen zum Aufbruch führten Mom zu ihrem Kommunikationsutensil und sie stellte erstaunt fest, dass Nerd wiederholt versucht hatte Kontakt aufzunehmen. Hocherfreut, dass er offensichtlich die Gesellschaft der verbliebenen drei Freunde suchen wollte, hörte sie sich an, was er denn zu sagen habe. Das Lächeln verschwand mit jeder Nachricht mehr aus ihrem Gesicht. Ebenso das Lächeln von Doc und Vampirella, als sie die Neuigkeiten mit ihnen teilte. Doc und Mom machten sich sofort eilig daran Nerd endlich zu Hilfe zu eilen. Vampirella blieb als Backup zuhause zurück.
Doc und Mom machten sich eilends zu Fuß auf den Weg, konnten aber, trotz Unerfahrenheit im Von-Autofahrern-Mitgenommen-Werden sofort punkten. Es muss an der Vollkommenheit ihrer beider Daumen gelegen haben...
Sie näherten sich Nerd mit großen Schritten. Auf dem großen Eiland angekommen, machten sie sich sogleich daran Nerd zu finden. Die Beschreibung seines Aufenthaltsortes entnahmen sie seiner Nachricht. Später sollten sie sich nicht mehr daran erinnern können, wie eines das andere ergab.
Doch sie gingen erst über Wiesen an traumhaften Buchten entlang, dann über riesige Steine und schließlich über immer nasseres, verschneites Moos und eisiges Gras- stetig höher hinauf. Etwa dort musste es gewesen sein, dass sie den Mut verloren.

Sie konnten nicht umhin zuzugeben, dass sie sich selbst in eine aussichtslose Lage versetzt hatten. Endlich kamen sie zu sich: sie riefen die Rettung. Weniger um sich selbst besorgt, als um Nerd, der nun bereits seit Stunden mit Hilfe rechnete. Beschämt ob ihrer Unfähigkeit schilderten sie den Helfern ihre Lage. Nach drei Rückrufen waren kundige Menschen der Umgebung auf dem Weg die Unglücksraben (hier ein Wortspiel um Nerd zu erfreuen) zu bergen.
Etwa eine Stunde nach dem Hilferuf von Mom und Doc wurde das Boot mit den Helfern gesichtet. Nach einigem Winken waren Doc und Mom gesichtet und einer der Männer machte sich an den Aufstieg. Zu Erleichterung und weiterer Beschämung gleichermaßen reichte zur Bergung der beiden kundige Führung über Schnee, Stock und Stein. Bald also saßen die Verfrorenen im Boot bei den Rettungskräften. Sie bissen gemeinsam in den äußerst sauren Apfel zu gestehen, dass Nerd noch zu retten wäre, für den eigentlich sie selbst der Rettungstrupp hätten sein sollen. Die ortskundigen Retter staunten nicht schlecht. Sie befanden aber, trotz der neuen Situation, dass der von der russischen Grenze beorderte Hubschrauber zur weiteren Rettung nicht nötig sei.
Nach einigen konfusen Minuten, zahlreichen (weiteren) Missverständnissen und einer unverschämt großen Portion Glück konnte Nerd in der Felswand ausgemacht werden. Doc und Mom mussten befangen zugeben sich bis auf 15 m an Nerd angenähert zu haben, bevor sie scheiterten.
Erneut wurde ein Retter an Land gesetzt um mit einem Seil bewaffnet zu Nerd aufzuschließen. Bange Minuten vergingen, es wurde geklettert, beinahe gekotzt (Doc's Magen ist nicht seefest...), gebibbert, Seile umgebunden und noch einmal geklettert. Dann stand Nerd neben seinem Retter und konnte mit nunmehr einfacher Führung über Schnee, Stock und Stein zum Boot geführt werden. Das Fallen des Steines von Doc's und Mom's Herzen war weithin zu vernehmen.
Die ebenso wagemutigen wie souveränen Retter erwiesen sich, wenn überhaupt möglich, noch mehr als Helden des Tages als sie die den drei Freunden bei den besten Waffeln der Welt und Kaffee in spektakulärster Kulisse eine erste Möglichkeit gaben die Erlebnisse zu verarbeiten.

Der Verarbeitungsprozess erbrachte folgende Erkenntnisse:

- gehe niemals los ohne genaue Angaben zu machen wo du hin gehst und wie.
- wenn dir jemand sagt, du sollst ihm nicht folgen: tu' es nicht.
- wenn dir jemand sagt, geh' da nicht entlang: tu' es nicht.
- habe immer genug Strom im Kommunikationsutensil.
- habe immer genügend Kontingent auf deinem Kommunikationsutensil.
- gehe nur dort verloren, wo du Empfang hast.
- habe immer ein Bettlaken dabei.
- habe immer Kekse dabei.
- teile dir die Kekse gut ein.
- denke nicht, du würdest gerettet, nur weil jemand winkt.
- kleide dich nicht in die Farben deiner Umgebung.
- wenn du kannst rufe an. Nachrichten sind äußerst unpräzise und verfälschen die wahren Gegebenheiten.
- sammle stetig genügend positives Karma.
- habe eine Pfeife dabei.
- wenn jemand dir sagt, er sei jetzt in Sicherheit, gehe davon aus, dass es nur noch besser werden kann.

Und am allerwichtigsten:

Zögere niemals gleich um Hilfe zu bitten!


1 Kommentare:

  1. Frau M. aus Ö oder wie das so war :)Apr 28, 2010 01:35 PM

    *thumbs up* schön euch alle heil wieder zu haben...wär ja doch zu langweilig sonst in unserem dorf :)

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